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Vom Einschalten zum Desktop: Was beim Booten passiert
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Zwischen dem Druck auf den Einschaltknopf und dem Anmeldebildschirm vergehen oft nur Sekunden. In dieser Zeit durchläuft der Rechner eine genau festgelegte Kette von Schritten.
Beim Einschalten weiß ein Computer zunächst gar nichts – nicht einmal, welche Laufwerke er hat. Er muss sich Stück für Stück selbst in Gang setzen. Englisch heißt das booting, nach der Redewendung vom Herausziehen an den eigenen Stiefelschlaufen (siehe booten).
1. Strom an
Der Druck auf den Einschaltknopf schließt einen Kontakt auf dem Mainboard. Das Netzteil fährt hoch und meldet nach einem Augenblick, dass alle Spannungen stabil sind. Erst dann darf der Prozessor loslegen.
2. Die Firmware übernimmt
Der Prozessor beginnt an einer fest vorgegebenen Adresse und findet dort die Firmware: bei modernen PCs UEFI, bei älteren das BIOS. Sie führt den POST durch, den Selbsttest beim Einschalten: Ist Arbeitsspeicher da, reagiert die Grafik, funktionieren die wichtigsten Bauteile? Fehler meldet sie mit Piepcodes oder Leuchtdioden auf dem Mainboard. Dann liest sie die gespeicherten Einstellungen, etwa die Bootreihenfolge.
3. Das Bootgerät
Die Firmware sucht nun ein startfähiges Laufwerk. Bei UEFI ist das eine kleine, eigene Partition auf der SSD, die EFI-Systempartition. Dort liegt der Bootloader des Betriebssystems. Wer einmalig von einem USB-Stick starten will, wählt ihn im Bootmenü aus.
4. Der Bootloader
Der Bootloader ist ein kleines Programm mit einer einzigen Aufgabe: das Betriebssystem zu laden. Bei Windows ist das der Windows Boot Manager, bei Linux meist GRUB. Sind mehrere Systeme installiert, zeigt er ein Auswahlmenü. Mit aktiviertem Secure Boot prüft die Firmware vorher, ob der Bootloader digital signiert ist.
5. Kernel, Treiber, Dienste
Der Bootloader lädt den Kern des Betriebssystems in den Arbeitsspeicher und übergibt ihm die Kontrolle. Der Kernel erkennt die Hardware, lädt Treiber und startet nach und nach die Hintergrunddienste: Netzwerk, Audio, Druckerwarteschlange und vieles mehr.
6. Anmeldung und Desktop
Zum Schluss erscheint der Anmeldebildschirm. Nach der Anmeldung werden die persönlichen Einstellungen geladen und die Programme aus dem Autostart gestartet. Viele Autostart-Einträge verlängern diesen letzten Schritt deutlich; im Task-Manager lassen sie sich abschalten.
Wenn es irgendwo hakt
- Kein Bild, Lüfter drehen: Oft sitzt der Arbeitsspeicher nicht richtig oder der Monitor hängt am falschen Ausgang – etwa am Mainboard statt an der Grafikkarte.
- „No bootable device“: Die Firmware findet kein Betriebssystem. Bootreihenfolge prüfen, Kabel prüfen, oder das Laufwerk ist defekt.
- Absturz während des Starts oder Neustartschleife: Hier hilft der abgesicherte Modus oder die Startreparatur von Windows.
- Fehlerbildschirm: Der Stoppcode auf dem Bluescreen verrät viel über die Ursache.
Warum Herunterfahren nicht immer Herunterfahren ist
Windows nutzt standardmäßig einen Schnellstart: Beim Herunterfahren wird der Zustand des Systemkerns auf der SSD gesichert und beim nächsten Start wieder geladen. Das spart Zeit, führt aber dazu, dass manche Probleme ein Herunterfahren überleben. „Neu starten“ dagegen durchläuft immer die ganze Kette. Deshalb lautet der klassische Rat des IT-Supports nicht umsonst: einmal neu starten.